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Sie chatten noch mit ChatGPT? Andere bauen schon eigene KI-Agenten.

Lesezeit: 10 Minuten
KI-Agenten im Unternehmen

Andere Unternehmen bauen bereits KI-Agenten, die Leads qualifizieren, Projektaufgaben vorbereiten, Servicefälle zusammenfassen oder Finanzdaten analysieren. Viele andere stehen noch an der gleichen Stelle wie vor zwei Jahren: Sie chatten mit einem KI-Tool und hoffen, dass daraus Produktivität entsteht.

ChatGPT, Microsoft Copilot und andere KI-Assistenten sind wertvolle Einstiege. Aber sie sind nicht das Ziel. Der nächste Schritt besteht darin, KI mit Daten, Prozessen und konkreten Aufgaben zu verbinden. Genau dort beginnt der Unterschied zwischen gelegentlicher Unterstützung und produktiver Automatisierung.

Warum Chatten allein nicht reicht

Ein Chatbot beantwortet Fragen. Ein KI-Agent erledigt Aufgaben innerhalb eines definierten Rahmens. Dieser Unterschied klingt klein, verändert aber die Art, wie Unternehmen KI nutzen.

Wer mit ChatGPT arbeitet, bekommt Texte, Ideen, Zusammenfassungen oder Analysen. Das kann einzelne Mitarbeitende entlasten. Doch der Nutzen bleibt oft individuell. Ein Mitarbeitender spart Zeit, ein anderer nutzt das Tool kaum, ein dritter kopiert Daten manuell zwischen Systemen. Das Unternehmen selbst wird dadurch nicht automatisch schneller, transparenter oder skalierbarer.

KI-Agenten gehen weiter. Sie können mit Systemen, Datenquellen und Tools verbunden werden. Sie lesen Informationen, prüfen Eingaben, erstellen Vorschläge, stoßen Workflows an oder bereiten Entscheidungen vor. Microsoft beschreibt auf der Seite Microsoft Copilot Studio genau diese Entwicklung: von einfachen Prompt-and-Response-Agenten bis zu Agenten, die komplette Workflows von Anfang bis Ende ausführen können.

Das macht KI für Unternehmen relevanter. Nicht weil der Chat verschwindet, sondern weil der Chat zum Einstiegspunkt für echte Prozesse wird.

Der Markt bewegt sich Richtung Agenten

Microsoft nennt 2025 im Work Trend Index das Jahr, in dem die „Frontier Firm“ entsteht. Gemeint sind Organisationen, in denen Menschen und KI-Agenten enger zusammenarbeiten. Laut Microsoft denken bereits 28 Prozent der Manager darüber nach, AI Workforce Manager einzustellen. 32 Prozent planen AI Agent Specialists, die Agenten entwickeln und optimieren.

Gartner sieht ebenfalls eine schnelle Entwicklung. In einer Prognose zu Agentic AI in Enterprise Applications erwartet Gartner, dass bis Ende 2026 bis zu 40 Prozent der Enterprise-Anwendungen task-spezifische KI-Agenten enthalten könnten. Gleichzeitig warnt Gartner vor „Agent Washing“, also dem Umbenennen klassischer Assistenten, Chatbots oder Automatisierungen zu Agenten, ohne dass echte agentische Fähigkeiten vorhanden sind.

Das ist für Unternehmen wichtig. Der Markt erzeugt Druck, aber nicht jedes Agentenprojekt erzeugt Wert. Wer nur das nächste Tool testet, läuft Gefahr, Aufwand ohne Wirkung zu erzeugen. Wer dagegen konkrete Prozesse auswählt, Daten vorbereitet und klare Verantwortlichkeiten definiert, kann KI-Agenten gezielt produktiv machen.

KI-Agenten im Unternehmen

Was KI-Agenten von klassischen KI-Assistenten unterscheidet

KI-Assistenten helfen meist reaktiv. Sie warten auf eine Eingabe und liefern eine Antwort. KI-Agenten sind stärker auf Ziele, Aufgaben und Aktionen ausgerichtet. Sie können Informationen aus verschiedenen Quellen nutzen, Tool-Aufrufe ausführen, Zwischenschritte planen und Ergebnisse in einem Prozess weiterverarbeiten.

Der Unterschied zeigt sich besonders im Unternehmensalltag.

Klassischer KI-Chat KI-Agent im Unternehmen
beantwortet einzelne Fragen unterstützt oder automatisiert wiederkehrende Workflows
arbeitet oft ohne Systemkontext nutzt Daten aus CRM, ERP, SharePoint, E-Mail oder Fachsystemen
erzeugt Text oder Analyse kann Aufgaben vorbereiten, Daten aktualisieren oder Aktionen anstoßen
Nutzen bleibt oft individuell Nutzen entsteht im Prozess und wird messbar
benötigt manuelle Übertragung kann über Tools und Schnittstellen eingebunden werden

Ein Beispiel aus dem Vertrieb: Ein Chat kann helfen, eine E-Mail an einen Lead zu formulieren. Ein Agent kann eingehende Informationen prüfen, einen Lead im CRM vorbereiten, fehlende Pflichtfelder abfragen, eine Zusammenfassung erstellen und die Freigabe durch einen Mitarbeitenden einholen. Erst dadurch wird KI Teil des Vertriebsprozesses.

Warum Daten und Prozesse wichtiger werden

Je mehr ein Agent tun soll, desto wichtiger wird die Grundlage. Ein KI-Agent braucht Zugriff auf die richtigen Informationen, klare Regeln und eindeutige Grenzen. Wenn Daten unvollständig, widersprüchlich oder auf verschiedene Systeme verteilt sind, wird der Agent nicht automatisch besser. Er macht die Schwächen der Organisation schneller sichtbar.

McKinsey beschreibt in Building the foundations for agentic AI at scale, dass Agenten konsistente, interoperable Daten benötigen. Einzelne Agenten können bei fragmentierten Daten inkonsistente Entscheidungen treffen. Multi-Agent-Systeme können Koordination verlieren oder Fehler weitertragen, wenn die Datenbasis nicht stimmt.

Das ist der entscheidende Punkt für Data & AI. KI-Agenten sind nicht nur ein Automatisierungsthema. Sie sind ein Daten- und Prozessreifethema. Unternehmen müssen klären, welche Datenquellen genutzt werden dürfen, welche Systeme führend sind, welche Berechtigungen gelten und wann ein Mensch eingreifen muss.

Gute Use Cases sind konkreter als „Wir brauchen einen Agenten“

Viele Unternehmen starten zu breit. Sie wollen „einen Agenten für den Vertrieb“, „einen Agenten für HR“ oder „einen Agenten für Projekte“. Das klingt ambitioniert, ist aber selten ein guter Startpunkt. Ein produktiver Agent braucht einen klar geschnittenen Use Case.

Besser ist eine konkrete Fragestellung: Welche wiederkehrende Aufgabe kostet viel Zeit? Wo müssen Mitarbeitende häufig Informationen aus mehreren Systemen zusammentragen? Wo entstehen Fehler durch manuelle Eingaben? Wo braucht es einen Vorschlag, aber weiterhin eine menschliche Freigabe?

Für projektbasierte Unternehmen können solche Use Cases besonders relevant sein. Ein Project Management Agent kann Projektinformationen auslesen, Aufgaben vorbereiten oder Statusänderungen zusammenfassen. Ein Lead & Opportunity Agent kann Vertriebsdaten strukturieren und neue Leads vorbereiten. Ein Secretary Agent kann E-Mails, Kalender und Dokumente verbinden. Ein Account Intelligence Agent kann Kundendaten analysieren und Hinweise auf Potenziale liefern.

Genau diese Logik passt zum Ansatz „Vom Use Case zu produktiven KI-Agenten“: Nicht der Agent steht am Anfang, sondern ein klarer Geschäftsprozess, der durch KI schneller, transparenter oder besser steuerbar wird.

Microsoft Copilot Studio als Einstieg in produktive Agenten

Für Unternehmen im Microsoft-Ökosystem ist Copilot Studio besonders relevant, weil es Agenten mit Microsoft 365, Power Platform, Dynamics 365, Dataverse, SharePoint und weiteren Datenquellen verbinden kann. Microsoft beschreibt Copilot Studio als Plattform, um Agenten zu erstellen, Wissen und Anweisungen hinzuzufügen, Tools zu verbinden, Workflows aufzubauen und Agenten sicher zu betreiben.

Besonders interessant ist die Entwicklung zu autonomen Agenten. Microsoft kündigte im Blog What’s new in Copilot Studio: March 2025 die allgemeine Verfügbarkeit autonomer Agenten an. Diese können über Trigger auf Ereignisse reagieren und definierte Aktionen ausführen. Laut Microsoft bleiben Aktionen über den Activity Tab sichtbar, damit Transparenz und Kontrolle erhalten bleiben.

Das zeigt die Richtung: Agenten sollen nicht nur antworten, sondern arbeiten. Gleichzeitig bleibt Governance entscheidend. Unternehmen müssen festlegen, welche Aktionen ein Agent selbst ausführen darf, wann eine Freigabe notwendig ist und wie Fehler erkannt werden.

Warum nicht jeder Prozess einen Agenten braucht

Der Hype um Agenten führt schnell zur falschen Frage: Wo können wir überall Agenten einsetzen? Die bessere Frage lautet: Wo bringt ein Agent mehr Wert als ein klassischer Workflow, ein Dashboard oder ein einfacher Copilot?

Gartner warnt in Gartner Predicts Over 40% of Agentic AI Projects Will Be Canceled by End of 2027 davor, dass viele Agentic-AI-Projekte wegen fehlendem Wert, unklaren Kosten oder unzureichendem Risikomanagement scheitern könnten. Gartner empfiehlt, Agentic AI dort einzusetzen, wo klarer Wert oder ROI entsteht.

Das ist kein Argument gegen Agenten. Es ist ein Argument für bessere Auswahl. Ein Agent lohnt sich besonders, wenn eine Aufgabe mehrere Schritte umfasst, verschiedene Datenquellen benötigt, Entscheidungen vorbereitet und regelmäßig wiederkehrt. Für einfache, lineare Prozesse kann ein klassischer Power Automate Flow sinnvoller sein. Für reine Informationsabfragen reicht häufig ein Copilot oder eine bessere Wissenssuche.

KI-Agenten im Unternehmen

Vom Lesen ins Bauen: AI Agent in a Day Workshop

Viele Unternehmen wissen inzwischen, dass KI-Agenten relevant werden. Schwieriger ist die nächste Frage: Welcher Use Case eignet sich wirklich für den Einstieg und wie entsteht daraus ein erster funktionierender Agent?

Genau dafür bietet INKUBIT den AI Agent in a Day Workshop an. Der Workshop ist kein Vortrag und keine Tool-Demo. Sie arbeiten an einem priorisierten Use Case, bauen mit Microsoft Copilot Studio einen ersten Agenten-Prototypen und testen direkt, wie AI, Daten und Prozesse im eigenen Arbeitsalltag zusammenspielen.

Im Fokus stehen konkrete Agenten-Szenarien, zum Beispiel für Projektmanagement, Lead- und Opportunity-Qualifizierung, administrative Aufgaben in Microsoft 365 oder Account Intelligence. Dadurch wird aus einer abstrakten KI-Diskussion ein praktischer Einstieg in produktive Agenten.

Workshop-Schritt Ergebnis
Use Case auswählen Klarheit, welcher Prozess sich für einen ersten Agenten eignet
Agent aufbauen erster arbeitsfähiger Prototyp mit Microsoft Copilot Studio
Testen und anpassen besseres Verständnis für Daten, Tools, Anweisungen und Grenzen
Next Steps definieren konkreter Pfad für Weiterentwicklung und Skalierung

Der wichtigste Effekt: Teams erleben nicht nur, was KI-Agenten theoretisch können. Sie sehen, welche Voraussetzungen im eigenen Unternehmen bereits vorhanden sind und wo Daten, Prozesse oder Governance noch vorbereitet werden müssen.

Zum AI Agent in a Day Workshop

Warum KI-Agenten ein Business-Thema sind

KI-Agenten werden oft technisch diskutiert. Doch ihr eigentlicher Wert liegt im Geschäftsergebnis. Sie können manuelle Arbeit reduzieren, Wissen besser nutzbar machen, Durchlaufzeiten verkürzen und Entscheidungen vorbereiten. Das gelingt aber nur, wenn sie an reale Prozesse angebunden werden.

Für das Management entsteht dadurch eine neue Aufgabe. Es reicht nicht mehr, Mitarbeitenden ChatGPT oder Copilot bereitzustellen. Unternehmen müssen entscheiden, welche Prozesse durch KI verändert werden sollen. Sie müssen definieren, wie Menschen und Agenten zusammenarbeiten. Und sie müssen sicherstellen, dass Daten, Governance und Verantwortlichkeiten mitwachsen.

Der Wettbewerbsvorteil entsteht nicht dadurch, dass ein Unternehmen mehr mit KI chattet. Er entsteht dadurch, dass KI operative Abläufe messbar verbessert.

Fazit: Der Chat war der Anfang, nicht das Ziel

ChatGPT hat vielen Unternehmen gezeigt, wie zugänglich KI sein kann. Doch der nächste Schritt ist größer. KI-Agenten verbinden Sprache, Daten, Tools und Prozesse. Sie können Aufgaben vorbereiten, Entscheidungen unterstützen und Workflows automatisieren.

Genau deshalb sollten Unternehmen jetzt nicht bei der Chat-Nutzung stehen bleiben. Sie sollten prüfen, welche wiederkehrenden Aufgaben sich für produktive Agenten eignen, welche Datenbasis dafür nötig ist und welche Governance von Anfang an eingebaut werden muss.

Wer heute nur chattet, sammelt Erfahrung. Wer heute Agenten baut, schafft Strukturen für messbaren Business Value.

FAQ

Was sind KI-Agenten im Unternehmen?

KI-Agenten sind Systeme, die nicht nur Fragen beantworten, sondern Aufgaben innerhalb eines definierten Rahmens ausführen oder vorbereiten können. Sie nutzen Datenquellen, Tools und Anweisungen, um Geschäftsprozesse zu unterstützen.

Was ist der Unterschied zwischen ChatGPT und einem KI-Agenten?

ChatGPT wird häufig für einzelne Fragen, Texte oder Analysen genutzt. Ein KI-Agent ist stärker in Prozesse eingebunden. Er kann Informationen aus Systemen nutzen, Arbeitsschritte ausführen, Ergebnisse vorbereiten und bei Bedarf menschliche Freigaben einholen.

Wann lohnt sich ein KI-Agent?

Ein KI-Agent lohnt sich besonders bei wiederkehrenden Aufgaben mit mehreren Schritten, mehreren Datenquellen und klarem Business Value. Beispiele sind Lead-Qualifizierung, Projektstatus, Servicefälle, Meetingvorbereitung oder Datenanalysen.

Brauchen Unternehmen für KI-Agenten saubere Daten?

Ja. Je stärker ein Agent handeln soll, desto wichtiger werden saubere, verfügbare und verknüpfte Daten. Ohne klare Datenbasis steigen Fehler, Inkonsistenzen und manuelle Nacharbeit.

Welche Rolle spielt Microsoft Copilot Studio?

Microsoft Copilot Studio kann genutzt werden, um Agenten zu bauen, Wissen anzubinden, Tools zu verbinden und Workflows zu gestalten. Besonders relevant ist es für Unternehmen, die bereits Microsoft 365, Dynamics 365, Power Platform oder Dataverse nutzen.

Müssen KI-Agenten vollständig autonom arbeiten?

Nein. In vielen Unternehmensprozessen ist ein Human-in-the-Loop sinnvoll. Der Agent bereitet Informationen oder Aktionen vor, ein Mensch prüft und gibt frei. So entsteht Produktivität, ohne Kontrolle zu verlieren.

Über den Autor

Lara Söhlke

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